Der Zugewinn bei der Scheidung 

Das Familienrecht kennt verschiedene Güterstände. Neben der regelmäßig automatisch eintretenden Zugewinngemeinschaft können im Ehevertrag abweichend vor und während der Ehe Gütertrennung oder Gütergemeinschaft vereinbart werden. Der Güterstand regelt die vermögensrechtliche Verteilung während der Ehe/Lebenspartnerschaft und zum Zeitpunkt der Scheidung.

Der Zugewinn wird in der Zugewinngemeinschaft bei Beendigung der Ehe ermittelt.

Der Zugewinn und seine Entstehung

Haben Ehepartner bei Begründung der Ehe keine ausdrücklichen Regelungen zum Güterstand getroffen, entsteht per se eine Zugewinngemeinschaft. Häufig wird diese Form des Güterstandes falsch verstanden. Es kommt auch dabei nicht zu einer automatischen Begründung von Gemeinschaftsvermögen, wie viele Menschen meinen. Vielmehr verwalten die Ehepartner auch im Rahmen der Zugewinngemeinschaft ihr eigenes Vermögen, ziehen Nutzen daraus und haften nicht für die Schulden des jeweils anderen. Sie können gesondert Miteigentum an bestimmten Vermögensgegenständen begründen.

Scheidung und Zugewinn

Erst bei der Scheidung zeigt sich der Unterschied der Zugewinngemeinschaft zur ausdrücklich vereinbarten Gütertrennung. Während es bei letzterer nicht zu einem Vermögensausgleich kommt, wird bei der Zugewinngemeinschaft bei Auflösung der Ehe durch Scheidung oder Tod ein Zugewinnausgleich durchgeführt.

Dabei wird in einer Vermögensaufstellung das Anfangs- und Endvermögen festgestellt. Die Differenz wird zu je 50% auf die Beteiligten aufgeteilt. Privilegiertes Vermögen in Form von Schenkungen und Erbschaften geht nicht in diese Aufteilung ein. Sie werden gesondert behandelt.

Details beim Zugewinnausgleich

Bei der Vermögensaufstellung spielen dabei folgende Stichtage eine Rolle:

  • Stichtag Anfangsvermögen - Tag der standesamtlichen Eheschließung oder Begründung der Lebenspartnerschaft.
  • Stichtag Endvermögen - Tag der Zustellung des Scheidungsantrages des einen den anderen Ehepartner durch das Familiengericht. Alternativ ist der Tag entscheidend, an dem die Lebenspartnerschaft aufgehoben wird.


Anfangs- und Endvermögen dürfen im Übrigen auch negative Werte annehmen. Dies berücksichtigt, dass ein einzelner Partner in der Ehe gleichermaßen durch den Abbau von Verbindlichkeiten hinzugewinnen kann. Der Zugewinnwert selbst kann keinen negativen Wert annehmen. Er kann nur einen positiven Wert oder Null annehmen.


Getrennte Berechnung des jeweiligen Betrages

Für jeden Partner wird der Zugewinn separat berechnet. Nach einem Vergleich der beiden Werte wird die Differenz je zur Hälfte verteilt. Wer also als Partner bei der Berechnung zu einem geringeren Betrag kommt, erhält die Hälfte der jeweiligen Differenz zum Ausgleich in Geld oder in Geldes Wert.


Immobilien bei der Scheidung

Der Zugewinn und seine Festlegung ändern grundsätzlich nichts an Miteigentumsanteilen, die die Partner während Ehe und Lebenspartnerschaft begründet haben. Hier kommt anlässlich der Beendigung einer Ehe häufig die Frage auf, was mit einem gemeinsamen Haus vermögensmäßig geschieht. Dabei wird oft versucht, eine für alle Beteiligten günstige Verfügung zu treffen, damit kein hoher Verlust bei diesem wertvollen Vermögensgegenstand entsteht. Bei der Berechnung des Zugewinns fließen Immobilien in die Vermögenaufstellung ein. Gehört die Immobilie beiden Partnern zu 50 %, so ändert sie am Wert des Zugewinns nichts.

In diesem Fall finden die Beteiligten idealerweise eine Regelung für die Immobilie noch im Trennungsjahr. Alternative Möglichkeiten sind ein Verkauf, eine Realteilung oder andere Nutzungsvereinbarungen. Ist die Immobilie schuldenfrei, kommt auch eine Übertragung auf die gemeinsamen Kinder in Frage. Die Verwertung von Immobilien bei einer Scheidung stellt meist Herausforderungen an die Beteiligten, vor allem, wenn diese kein Einvernehmen finden können.

Ausschluss des Zugewinns durch Ehevertrag

Es gibt viele vernünftige Gründe dafür, vor oder noch während der Ehe eine Gütertrennung vertraglich zu vereinbaren. Neben der Ausschließung des Zugewinns bei Beendigung der Ehe ist hier auch interessant, dass kein gemeinsames Vermögen entsteht.

Sind etwa die Vermögen der Beteiligten bei der Eheschließung sehr unterschiedlich, kann ein Ehevertrag mögliche vermögensrechtliche Verwerfungen bei einer Scheidung verhindern helfen. Auch schafft die vertragliche Regelung eine klare Rechtslage, die spätere ausufernde Rechtsstreitigkeiten vermeiden hilft.

Leistungen der Kanzlei Hecker-Buschkamp beim Thema Zugewinn

Rechtsanwältin Petra Hecker-Buschkamp ist eine ausgewiesene Expertin im Familienrecht, speziell auch bei Scheidung und Trennung. Wir beraten Sie allgemein zu den verschiedenen Alternativen beim Güterstand. Außerdem berechnen wir im Falle der Scheidung den jeweiligen Zugewinn. Zusammen finden wir eine angemessene Lösung für Ihre Immobilie bei Beendigung der Ehe/Lebenspartnerschaft.